Bowling auf der Leinwand

zurück zur vorherigen Seite   |   Artikel am 23. September 2010 eingegeben

„Drücken, schwingen und loslassen." Ständig wiederholt Katja Eitner im Haus „Am Sodenmattsee" die freundlichen Anweisungen. Die 41-Jährige ist heute Nachmittag zusammen mit ihrer Kollegin Hedwig Wiemker zuständig für die Betreuung der Bewohner beim „Bowling" auf der Wii, einer Spielkonsole, die allen Kindern und Jugendlichen ein Begriff sein dürfte. Aber auch die Senioren vom Haus „Am Sodenmattsee" spielen alle regelmäßig damit. Ähnlich einem geselligen Kegelabend sitzen die rund 20 Senioren dann im Halbkreis im Café des Hauses. In der Mitte ist ein kleiner Tisch aufgebaut, auf dem sich die Wii-Konsole befindet. Vor der Wand steht eine Leinwand. Der Sensor vor dem Tisch erfasst die Bewegungen des Spielers, der sich in der Mitte des Kreises befindet.

Bereits seit zwei Jahren können sich die Bewohner beim virtuellen Bowling austesten. Waren sie damals in jungen Jahren regelmäßig beim Kegeln, ist das Bowling-Spiel auf der Konsole heute eine willkommene Alternative. „Ich hatte mir meinen Arm gebrochen", erzählt etwa Bewohnerin Hildegard Heine. Das Heben der schweren Kugel auf einer Kegelbahn würde sie heute nicht mehr schaffen, sagt sie.

Um per Spielkonsole bowlen zu können, müssen die Senioren den Controller, der wie eine Fernbedienung aussieht, festhalten und dabei den Knopf auf der Unterseite gedrückt halten. Gleichzeitig müssen sie mit dem Arm Schwung holen, sodass ihre Figur mit der Kugel in der Hand auf der Leinwand ebenfalls Schwung holt. Lassen sie den Knopf los, lässt auch die Figur die Kugel los, sodass sie auf die Bahn Richtung der Pins zurollt. Je schneller die Senioren diese Bewegung ausüben, desto mehr Schwung hat anschließend auch die Kugel. Wer sie genau in der Mitte platzieren kann, hat eine große Chance auf einen „Strike". Besonders schön: Sogar Rollstuhlfahrer können an dem Spiel teilnehmen. Am Anfang war das Bowling auf der Wii-Konsole für viele der Senioren „böhmische Dörfer", wie es Bewohnerin Hildegard Heine auf den Punkt bringt. Inzwischen gehören sie und Ingeborg Jonas aber zu den besten Teilnehmern. „Das macht richtig Spaß", sagt die 90-Jährige freudig. „Eine wirklich tolle Alternative."

Ebenfalls zu den besten Spielern gehört Sylvia Wach. Sie war auch schon vor zwei Jahren dabei, als sie Häuser „Am Sodenmattsee" an der ersten „Wii Sports Bowling Meisterschaft" teilnahm. Zwei Studenten hatten das Projekt bundesweit initiiert. Extra für das Turnier ließen sich die Teilnehmer ein Trikot anfertigen, das neben dem Logo der Einrichtung auch ein Foto von einer lustigen Bowling-Truppe zeigt. Auch heute trägt Sylvia Wach das Trikot stolz mit der Medaille um den Hals, die es für die beste Bremer Pflegeeinrichtung gab. „Über das Turnier wird heute noch geredet", erzählt Hedwig Wiemker lächelnd. Sie betont, dass bei diesem Spiel auch die Grob- und Feinmotorik geschult wird.

Damals hatten die Senioren noch mit einer von einem Mitarbeiter geliehenen Konsole gespielt. Als sie aber so begeistert von der Aktion waren, kaufte sich das Haus von dem Erlös der Tombola des Sommerfests im Jahr 2009 eine eigene Konsole. Inzwischen wird für das Spiel anstelle eines Fernsehers eine Leinwand aufgebaut, damit die Senioren das Spiel besser sehen können.

„Drücken, schwingen und loslassen!", ruft Katja Eitner wieder. Gespannt schauen die Senioren auf die Leinwand. „Das wird nichts", winkt eine der Damen ab, als sich die Bowling-Kugel gefährlich der Rinne nähert. „Man muss schon Schwung haben", weiß Wiemker. So wie die Ehefrau eines demenziell veränderten Bewohners. Wenn sie beim Wii-Bowling an der Reihe ist, gibt es schon einmal eine „Strike". Anders als auf der Kegelbahn müssen hier dann zehn statt neun Pins umfallen. Wer das schafft, wird mit Applaus von den anderen Senioren belohnt. Eine noch schönere Belohnung ist aber, dass ihr Mann beim Wii-Bowling für kurze Momente wieder ganz aufmerksam ist. „Er freut sich sichtlich, wenn seine Ehefrau mitmacht", berichtet die 49-jährige Ergotherapeutin.